Jugendherberge Bayrischzell
Nachdem die wenigen EDV-Stellen, die ich finden konnte, alle besetzt waren, beschloss ich, mich beim Deutschen Jugendherbergswerk nach einer neuen Zivildienststelle umzusehen. Ich erhoffte mir dort eine angenehme Mischung abwechslungsreicher Tätigkeiten (Hausarbeit, Gartenarbeit, Empfang der Gäste, Telefondienst etc.), auf jeden Fall keine monotone Tätigkeit. Außerdem ist die Übersicht über die verfügbaren Zivistellen beim DJH relativ schnell zu erlangen, im Gegensatz zu anderen Stellen. Ich begann, sämtliche Jugendherbergen in Bayern anzurufen und nach einer freien Stelle zu fragen. Erstaunlich, wie man teilweise angemault wird, wenn man eröffnet, dass man die Stelle möglichst bald einnehmen möchte, und wenn man dann erwähnt, dass es aufgrund eines Zivildienststellenwechsels so dringend ist, wissen viele immernoch nicht, was los ist. Oder man macht es wie das Haus International in München und lässt mich erst die ganze Geschichte, warum der Wechsel notwendig ist, erzählen, um mir dann zu eröffnen, dass man bereits zig mehr Zivis dahätte als eigentlich erlaubt und man mich auf keinen Fall aufnehmen könnte.
Die meisten Jugendherbergen hatten erst wieder ab Februar, manche erst deutlich später wieder eine Stelle frei, meist hieß es, im November oder Dezember würden nunmal selten welche frei werden. Das wundert mich, denn wenn der Zivildienst 9 Monate (ein Dreiviertel-Jahr) dauert, müssten ja alles Vierteljahr irgendwo Stellen frei werden, sofern die Stellen dauerhaft besetzt sind. Zieht man zur Überlegung hinzu, dass viele Gymnasiasten im Juli, viele im August, viele im September und einige im Oktober mit dem Zivildienst beginnen, müsste es ja eigentlich jeden Monat freie Stellen geben.
Jedenfalls habe man bei vielen Jugendherbergen gehört gehabt, dass die DJH Dachau dringendst einen neuen Zivildienstleistenden suche, da einer „abgesprungen“ sei. Als ich in Dachau anrief, eröffnete man mir, dass man eventuell eine Stelle frei hätte, über mich aber erst in drei Wochen entscheiden könne, da die Chefin derzeit im Urlaub sei. Sehr „dringendst“.
Irgendjemand war ganz enthusiastisch und listete mir die „größten“ Jugendherbergen in Bayern auf, die „immer auf der Suche nach Zivis“ seien. Das Haus International hatte ich ja bereits angerufen, die Jugendherberge in Passau eröffnete mir, gar keine Zivildienstleistenden zu beschäftigen, die in Oberstdorf war gar nicht zu erreichen (muss ja ein Mordsbetrieb sein) und die in Lindau hatte ebenfalls keine Stelle frei.
Jedenfalls boten mir drei Jugendherbergen am Alpenrand an, die Sache abzusprechen und mich zurückzurufen, tatsächlich tat das dann auch eine, die in Bayrischzell, Landkreis Miesbach. Am nächsten Abend fuhr ich also direkt dort vorbei.
Nach beidseitiger Zusage lag mir die Einberufung innerhalb eines Tages vor. Wenn es darum geht, jemanden loszuwerden, scheint das Bundesamt für Zivildienst etwas schneller zu sein als wenn es darum geht, jemanden zu gewinnen (meine Verweigerung hatte man nach zwei Monaten noch nicht akzeptiert).
Bis Ende Dezember ist Schließzeit, wir haben ein paar Renovierungs- und Putzarbeiten durchgeführt, danach ist die Aufgabe wieder, die Zimmer vorzubereiten, zu reinigen und in der Küche zu helfen. Die Tätigkeit mag vielleicht nicht ganz so lehrreich zu sein wie das, was ich an der Uniklinik Ulm gemacht habe, aber dafür gefällt mir die Atmosphäre sehr gut, da die Zivis alle dort wohnen und man so in guter Gesellschaft ist. (An der Uniklinik hatte ich kaum Kontakt zu Gleichaltrigen.) Die Landschaft gibt natürlich auch so einiges her.
Die Jugendherberge liegt auf dem Sudelfeldpass auf 1200 Metern Höhe. Die nächste Ortschaft, Bayrischzell, ist 5 km entfernt und hat etwa 1000 Einwohner. Zuhause in Ingerkingen, ebenfalls 1000 Einwohner, nächste größere Stadt etwa 10 km entfernt, haben wir 446 kbit/s bei einer Pingzeit von bis zu 15 Sekunden. Im hinterletzten Eck, in den Alpen, fernab jeglicher Zivilisation, ist das Internet etwa 1500 kbit/s schnell!
Jedenfalls wohne ich ab 27. Dezember wieder dort in der Jugendherberge (derzeit habe ich Urlaub wegen Schließzeit), das einzige, worauf ich noch gespannt bin, ist, wie ich mit dem Auto dort hinkomme, wenn alles zugeschneit ist.
Filed under life