Candid’s brain

Solariumverbot für Minderjährige

Ich zitiere http://www.express.de/nachrichten/news/gesundheit-2008/solarium-verbot-fuer-minderjaehrige_artikel_1235811361200.html. Ein Gesetzentwurf „zum Strahlenschutz“ will Minderjährigen den Zugang zum Solarium verbieten. Begründung: Für Kinder und Jugendliche, die regelmäßig ins Sonnenstudio gehen, erhöhe die künstliche UV-Strahlung das Risiko einer Hautkrebserkrankung erheblich, begründete das Ministerium das geplante Nutzungsverbot.. So ein Blödsinn.

Politiker und Mediziner scheinen sich nicht im Klaren darüber zu sein, was ein „Risiko“ ist. Ich nehme es mal als erwiesen an, dass UV-Strahlung auf die Haut das Hautkrebsrisiko „erhöht“. Was das bedeutet: Der Anteil der Menschen, die unter Hautkrebs leiden, ist unter denen, die mehr UV-Strahlung auf die Haut abbekommen, größer als unter denen mit weniger UV-„Belastung“.

Ich erinnere mich kurz an Kapitel 1 des Buches „Psychologie“ von P. G. Zimbardo. In einem Abschnitt erfindet er eine Studie, die besagt, dass Studenten, die rauchen, schlechter in Klausuren abschneiden als Studenten, die nicht rauchen. Es gibt nicht etwa nur eine Möglichkeit, was das bedeutet, sondern vier:

  1. Zigarettenrauch schadet in irgendeiner Weise der Intelligenz, dem Gedächtnis, dem Konzentrationsvermögen oder sonst etwas, das sich direkt oder indirekt auf die Zensuren auswirkt (das wäre das, was die Bildzeitung aus einer solche Studie sofort schließen würde.)
  2. Studenten, die schlechte Noten schreiben, beginnen aus Frust oder aus anderen Gründen zu rauchen
  3. Ein externer Faktor verursacht beides, denkbar wäre zum Beispiel, dass partybegeisterte Studenten statistisch gesehen öfter rauchen, gleichzeitig aber weniger Zeit und Lust zum Lernen haben und deshalb schlechter abschneiden
  4. Der Zusammenhang ist Zufall.

Klar ist, dass es allerhöchstens Zufall wäre, wenn unter Zutreffen von Variante 2, 3 oder 4 das Einstellen des Rauchens eine Verbesserung der Zensuren zur Folge hätte.

Wir nehmen also wieder an: Menschen, die mehr UV-Strahlung auf die Haut abbekommen, leiden statistisch gesehen häufiger an Hautkrebs als Menschen mit weniger UV-„Belastung“. Das bedeutet lange, lange nicht das, was heutzutage jedes Kind beigebracht bekommt, nämlich dass UV-Strahlung Hautkrebs verursacht, und erst recht nicht, dass eine Einstellung der UV-Belastung das Hautkrebsrisiko senkt.

Was wäre, wenn nicht die UV-Strahlung Ursache für den Hautkrebs ist, sondern zum Beispiel, aus welchen Gründen auch immer, Menschen, die sich schlicht mehr um ihr Äußeres sorgen, hautkrebsgefährdeter wären als Menschen, die ihr Aussehen so akzeptieren, wie es ist. Ich kann wohl in Anbetracht aktueller Schönheitsideale davon ausgehen, dass statistisch gesehen Leute, die diesen Schönheitsidealen folgen wollen, sich zwecks Bräunung öfter UV-Strahlung aussetzen als die anderen (und sich noch „öfterer“ ins Solarium begeben als die anderen). Und schon wäre der Zusammenhang zwischen UV-Strahlung und Hautkrebs hergestellt, und freilich würde es am Hautkrebsrisiko nichts ändern, die Bräunung zu unterlassen, es höchstens erhöhen, wenn dem Schönheitsideal noch weniger gefolgt werden kann als ohnehin.

Wer Menschen schützen will, indem er versucht, Risiken zu senken, der wird die Menschen immer weiter in ihrer Freiheit einschränken, die Risiken jedoch werden gleich bleiben. Wer aus einem statistischen Zusammenhang urteilt, dass UV-Strahlung Hautkrebs verursacht, der müsste auch behaupten, dass Speiseeis das Hautkrebsrisiko erhöht, schließlich sind die Menschen dort, wo es heiß ist und deshalb mehr Eis gegessen wird, mehr UV-Strahlung ausgesetzt. Und kein Mensch würde Teenagern zu ihrem Schutze das Eisessen untersagen.

Ein weiterer fehlbegründeter Versuch, Minderjährige in ihrer Freiheit einzuschränken, die Eltern ihrer Erziehungsberechtigung zu enteignen und in den kommenden Generationen bestimmte Meinungen und gesellschaftliche Normen zu erzwingen. Das hatten wir in Deutschland zuletzt in der DDR, davor im Dritten Reich, ich bin gespannt, wo das noch hinführt. Ich bin schon seit Monaten am Grübeln, in welchen Fällen der Staat, die Gesellschaft, die Vormünder und in welchen das Kind selbst über seine Erziehung bestimmen sollte, und hoffe, dass ich bald zu einem Ergebnis kommen werde.

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