Candid’s brain

Gründe für den Datenschutz

Posted on: May 3rd, 2009

Im Gegensatz zu sinnlos einschränkenden Gesetzen wie dem Inzest-, Drogen-, Pornografieverbot und dem Ladenschlussgesetz sind es in Bezug auf die totale Überwachung die Gegner, die hier ihren Standpunkt niemals vernünftig begründen und ihn als offensichtlich darstellen. Hier also zwei vernünftige Gründe für den Datenschutz.

Grund 1: Nicht alles, was verboten ist, ist auch schlimm. Beispiele:

  • Jemand hat eine Liebesbeziehung zu seinem Adoptiv- oder gleichgeschlechtlichen Geschwister.
  • Jemand raucht ab und zu aus Spaß Marihuana, ohne davon abhänig zu sein.
  • Der einzige Fahrer um 3 Uhr nachts auf einem Autobahnstück, auf dem 100 km/h erlaubt sind, fährt 150.
  • Ein muslimischer Mann heiratet mehrere Frauen.
  • Ein minderjähriges Pärchen hat in den USA Geschlechtsverkehr.
  • Jemand fährt tagsüber mit einem Fahrrad durch die Stadt, das keinen Dynamo hat.
  • Ein Naturfreund übernachtet auf einer Reise fernab der Zivilisation in einem Wald.
  • Ein Obdachloser übernachtet auf einer Parkbank.

All diese „Verbrechen“ werden in unserer Welt mehr oder weniger schlimm bestraft, einige davon mit Gefängnis. Die Gesetze hierzu werden von unserer Gesellschaft nur geduldet, weil jeder weiß, dass in diesen „minderschweren“ Situationen niemand sie kontrolliert. In einer Gesellschaft der totalen Überwachung wird jedes Verbrechen entdeckt und bestraft, und solange Gesetze keine Ausnahmen in minderschweren Fällen machen und der Trend weiterhin dahin geht, den Bürgern immer mehr Sachen zu verbieten, wird die Freiheit dadurch in großem Maße unnütz eingeschränkt. Weiterhin wird in unserer Gesellschaft diverses „unsittliches“ Verhalten geächtet, und wenn Daten in private Hände gelangen, wird man unter Umständen von der Gesellschaft für sein Verhalten „bestraft“. Darüberhinaus kann jegliches Gesetz (zum Beispiel ein Verbot der öffentlichen Bekenntnis zu einer politischen Richtung) nach der (illegalen) Einführung sofort durchgesetzt und damit das rechtliche Vorgehen dagegen verhindert werden.

Grund 2: Aus Risikofaktoren lässt sich Profit schlagen, diese sind jedoch keine Ursachen. Beispiele:

  • Anhand des Kaffeekonsums (überwachbar zum Beispiel bei Auswertung der Einkäufe mit elektronischem Geld) eines Menschen lässt sich statistisch auf den Stress schließen, den dieser in der Arbeit hat. Da Stress Krankheiten verursacht, würden seine Krankenkassenbeiträge erhöht oder ihm im Krisenfall sogar eine Krankenversicherung verwährt, und das ebenso jemandem, der keinen Stress hat und Kaffee aus Genussgründen trinkt.
  • Jemand, der häufig Besuch aus dem islamischen Ausland bekommt (nachweisbar zum Beispiel durch RFID-Chips in Reisepässen), ist statistisch gesehen wahrscheinlicher ein Mitglied einer islamistischen Organisation. Dadurch geraten auch Unschuldige (zum Beispiel solche, die viele Geschäftspartner einladen) unter Verdacht, und unter einer großen Zahl unschuldiger Verdächtiger gibt es aufgrund der Ermittlungs-Fehlerquote immer ein paar, die schuldig gesprochen werden.

Die Menschen dürften also aus statistischen Gründen bestimmte Dinge nicht mehr tun, weil sie sonst unter Verdacht geraten würden. Wer nun sagt, dass die Menschen nunmal in unserer Welt auf bestimmte Dinge verzichten müssten, um die Sicherheit sicherzustellen und Verbrechen zu bekämpfen, dem sei gesagt, dass der Sinn unserer Staaten und das Hauptziel unserer selbst immernoch nicht ist, in einer Welt ohne Verbrechen zu leben, sondern das zu tun und tun zu können, was wir wollen.