Candid’s brain

Kaugummiverbot

Posted on: March 7th, 2009

Irgendwann wurde uns einmal in der Schulkonferenz mitgeteilt, dass der Hausmeister ständig Kaugummis unter den Tischen entdeckte, was eine Menge unnötiger Arbeit verursachte. Es wurde diskutiert, wie man dieses Problem eindämmen könne. Es wurde mehrheitlich beschlossen, das Kaugummikauen in der Schule zu gänzlich zu verbieten, quasi als Steigerung der Tatsache, dass die meisten Lehrer das von sich aus schon taten.

In einer späteren Sitzung ging es darum, ob dieses Verbot in die Hausordnung aufgenommen werden sollte. Allerdings hatte niemand Informationen darüber, ob das Kaugummiverbot eine Besserung bezüglich des Müllproblems eingebracht hatte. Trotzdem wurde mehrheitlich beschlossen, das Verbot in die Hausordnung aufzunehmen.

Diesen Beschluss halte ich heute für völlig inakzeptabel. Hier wurde die Freiheit der Schüler eingeschränkt, ohne dass ein Nutzen nachgewiesen war. (Die Freiheit, Kaugummi zu kauen, halte ich nebenbei in der Schule, wo man meist ohne gefrühstückt und ausgeschlafen zu haben erst nach zwei oder drei Stunden zum Essen kommt, aus mundgeruchstechnischen Gründen für sehr wichtig.) Würde ich heute noch in der Schulkonferenz sitzen, würde ich einen Antrag auf Abstimmung darüber stellen, das Kaugummikauen über die Schulordnung explizit zu erlauben, den Lehrern also zu verbieten, die Schüler darin einzuschränken. Denn welchen Grund hat ein Schüler, seinen Kaugummi unter die Bank zu kleben, wenn das Kauen im Unterricht erlaubt ist und keiner dafür ermahnt wird?

Eine solche Entscheidung wäre aber natürlich für eine konservative Regierung, wie sie eine jede Schule hat, untragbar. Schließlich ist es Mode, Schülern und Menschen so viele Dinge zu verbieten, dass man sich bei jedem Unglück aus der Verantwortung ziehen kann, indem man darauf verweist, dass ja ein Gesetz gebrochen wurde.

Mündliche Noten

Posted on: September 25th, 2008

Pro Schulhalbjahr werden nicht nur in der Oberstufe zwei Klassenarbeiten in den Hauptfächern geschrieben, in den Nebenfächern nur eine. Die Oberstufe sieht allgemein Doppelstunden für alle Fächer vor, weshalb die Klassenarbeiten auf diese ausgedehnt werden können, in jüngeren Stufen werden aber in Nebenfächern oft zwei separate Stunden in der Woche abgehalten, ein Verlegen der Stunde bedarf erhöhten Aufwandes, besonders durch die Lehrkraft selbst. Klassenarbeiten werden deshalb so ausgelegt, dass man allerhöchstens eine Stunde dafür braucht.

In einer Physik-Klausur zum Beispiel wäre diese Zeit sehr knapp, wenn man den Stoff des ganzen Halbjahres abfragen wollte, man bedient sich also des üblichen Mittels: Aus den mehreren behandelten Themen wird ein vorher nicht angekündigtets herausgesucht und in der Klassenarbeit vertieft. Die Schüler müssen theoretisch alle Themen beherrschen, trotzdem kann die Klassenarbeit innerhalb einer Stunde geschafft werden. Sie besteht aus einer großen Rechenaufgabe zum Thema, für andere Aufgaben bleibt nicht mehr viel Zeit, vielleicht ein paar kleinere Zusatzaufgaben, die die Note nicht wirklich beeinflussen, höchstens die „volle Punktzahl aus Glück“ verhindern.

Mist, wenn man die ausschlaggebende Formel gerade zu dieser Aufgabe, möglicherweise trotz intensivem Lernen, nicht mehr richtig wiedergeben kann. Das läuft auf fast keine Punkte hinaus, obwohl man alle anderen im Halbjahr behandelten Themen perfekt beherrscht. Einzige Klassenarbeit im Halbjahr, die Zeugnisnote wird also direkt beeinflusst, in der Oberstufe wäre der Kurs vielleicht versenkt. Unfair, soll die Note nicht mein Wissen widerspiegeln? Ich habe doch vier von fünf Themen beherrscht, nicht gar keins, wie die Note behauptet.

Irgendjemand hat das wohl einmal erkannt und sich eine Möglichkeit ausgedacht, wie der Lehrer ohne einen erhöhten Arbeitsaufwand (Klassenarbeit über alle Themen) die Möglichkeit hat, in einem solchen Unglücksfall die Note des Schülers wenigstens in die Richtung seines tatsächlichen Wissens- und Könnensstandes zu bewegen: mündliche Noten. Diese Erfindung schafft dem Lehrer die Freiheit, aus dem Verhalten seiner Schüler auf deren Kenntnisse zu schließen, oder aber sie zu allen möglichen behandelten Themen abzufragen und sich dadurch ein Bild von ihnen zu machen. Auf diese Weise wird der Risikofaktor „Pech“ oder auch „Glück“ in der Klassenarbeit gesenkt und die Zeugnisnote den tatsächlichen Begebenheiten angepasst. Der Lehrer entscheidet selbst, in welchem Verhältnis er die schriftlichen und mündlichen Noten einrechnet, je nachdem, wie zuverlässig er sich im Einschätzen seiner Schüler hält. Die schriftlichen Noten senken weiterhin das Risiko des Irrtums seitens des Lehrers.

Einige, die meisten, Lehrer haben dieses Konzept irgendwie nicht oder falsch verstanden, und meinen, die mündlichen Noten nicht nach dem Wissen und Können des Schülers zu bilden, sondern nach seinem Verhalten und besonders nach seiner Mitarbeit. So kommt es, dass meine Physiknote nicht mehr wiedergibt, wie gut ich mich in der Physik auskenne, sondern wie gut ich mich mit dem Lehrer verstehe und bei wievielen Fragen (ob sinnlosen oder sinnhaften) ich bereit war, öffentlich eine Antwort dazu zu geben, letztendlich hängt sie also auch davon ab, welche Fragen der Lehrer überhaupt stellt. Der Arbeitgeber, der später eine schlechte Physiknote in meinem Zeugnis entdeckt, kann daraus also allerhöchstens auf meinen Lehrer schließen.

Ein Schüler, der selten anwesend ist oder der den Unterricht stört, darf nur in seiner Verhaltensnote schlecht dafür bewertet werden. (Wozu gibt es die denn sonst?)
Ein Schüler, der seine Hausaufgaben nicht macht oder sich im Unterricht nicht meldet, darf nur in seiner Mitarbeitsnote schlecht dafür bewertet werden. (Wobei in einigen Fächern das Erledigen der Hausaufgaben allein Sache des Schülers ist, aber das ist ein anderes Thema.)

Auf diese Weise wird sichergestellt, dass jede Note im Zeugnis tatsächlich das widerspiegelt, was sie bezeichnet (und nicht die Physiknote für das Verhalten steht). Die Voraussetzungen hierfür sind ja gegeben, denn gerade zu diesem Zweck wurden wohl die Verhaltens- und Mitarbeitsnoten eingeführt. Noten in den Fächern sind kein Mittel, um Schüler zu erziehen oder zu bestrafen. Gerade in der Oberstufe entscheiden sie maßgeblich über die Zukunft des Schülers und müssen deshalb seine tatsächlichen Fähigkeiten anzeigen. Ein Schüler darf sich ein gutes Zeugnis nicht erkaufen müssen, indem er im Unterricht aufpasst und damit oder anders das Selbstwertgefühl oder die Stimmung des Lehrers steigert.

Ich bedanke mich bei meinem Physiklehrer dafür, dass er dieses Konzept verstanden und als einziger konsequent durchgezogen hat.

13er-Weisheit VII

Posted on: June 1st, 2008

LidL!

Aufklaerung

Posted on: May 29th, 2008

Koennte mal jemand den ganzen Unterstuflern erklaeren, dass, wenn sie schon den Zwang ihrer schwaebischen Macho-Vaeter, im Stehen pissen zu muessen, uebernehmen, sie dann wenigstens die Klobrille hochklappen und sich danach noch die Haende zu waschen, bevor sie die Tuerklinke damit zu Hunderten beruehren? Ist ja nicht auszuhalten, klebriger, nasser Boden und schwimmende, gelbe Klobrillen.

Abiturienten-Weisheit VI

Posted on: May 1st, 2008

Lernt man auf zwei Klausuren, die jeweils die Hälfte der Endnote ausmachen, halb so viel wie auf eine Klausur, die die ganze Endnote ausmacht, so unterscheiden sich die beiden Endnoten, obwohl dies dem mathematischen Verständnis des Abiturienten widerspricht.

Abiturienten-Weisheit V

Posted on: April 2nd, 2008

Wenn der Abiturient seinen Kollegen am Abend vor dem Abitur fragt, ob dieser schon gelernt habe, besteht die Ironie dieser Nachfrage darin, dass klar ist, dass die Antwort negativ ausfallen wird.

Abiturienten-Weisheit IV

Posted on: April 2nd, 2008

In seiner Freizeit verschiebt sich der Schlafrhythmus des Abiturienten immer weiter nach hinten, allerdings nur so lange, bis er sich genau umgedreht hat.

Abiturienten-Weisheit IV

Posted on: March 14th, 2008

Es ist gut, Arbeit zu übernehmen, manchmal sogar noch, wenn dies gar nicht nötig oder erwünscht war. Nobel wird es allerdings erst, wenn man die Entscheidungsfreiheit über diese Arbeit dort lässt, wo sie hingehört.

Wie Talente untergehen

Posted on: February 27th, 2008

Schade genug, dass baden-württemberg-weit im Zuge des G8 alle Gymnasien auf den Ganztagesbetrieb umstellen müssen. Gerade das Gymnasium soll doch ein theoretisch ausgerichtetes und erweitertes Ausmaß an Allgemeinbildung vermitteln, wohingegen der Schüler nur in seiner Freizeit Gelegenheit hat, sich mit anderen, praktisch nutzbaren Dingen zu beschäftigen. Ich zum Beispiel verwende meine Zeit außerhalb der Schule unter Anderem, um mich mit meinem Hobby, dem Computer, zu beschäftigen. Auf diese Weise habe ich mir ein gewisses Wissen um dieses, im späteren Berufsleben gut nutzbare, Thema angeeignet. In einer Ganztagesschule hätte ich dazu nie Gelegenheit gehabt, alleine schon, weil es hierzulande keine ausgebildeten Informatiklehrer gibt.

Die Schüler sollen mehr zu selbstständigem Handeln ausgebildet werden. Dazu steigt die Wichtigkeit von Mentorentätigkeiten, zum Beispiel als Leiter einer Arbeitsgemeinschaft, wo der Schüler anderen Schülern seine Kenntnisse in verschiedenen Sportarten, im Computerwesen, in Sprachen oder in sonst einem Bereich vermitteln kann. Wie soll er das, wenn er keine Zeit mehr gehabt hat, sich in seinem bisherigen Leben intensiver damit zu beschäftigen, weil er seine gesamte Zeit für die Schule aufopfern musste? Selbstständiges Handeln, wie soll er das erlernen, wenn er nur noch die Themen aus der Schule lernen kann, und das natürlich nach einem von der Schule vorgegebenen Konzept und Zeitplan?

Und jetzt will man auch noch die Realschule mit der Hauptschule zusammenlegen. Auf diese Weise sollen „die Schwachen gefördert werden, die Begabten aber nicht zu kurz kommen“. Andersherum, glaube ich eher. Wie soll jemand, der auf der Grundschule nur solche schulischen Leistungen erbringen konnte, dass er mit diesen auf die Hauptschule befördert wurde, allein durch die Anwesenheit von besseren Schülern in seiner Klasse seine Noten verbessern können? Mit denen war er doch schon auf der Grundschule zusammen, wo es anscheinend nichts bewirkt hat. Und der Realschüler wird durch die langsameren Schüler seiner Klasse ausgebremst werden, wenn das Unterrichtstempo angepasst werden muss, damit alle hinterherkommen.

Auch an der Regelung der Kursstufe am Gymnasium lässt sich die Entwicklung hin zu einem Einheitsunterricht im späteren Schulleben erkennen: Mathematik-Leistungskurse zum Beispiel wurden abgeschafft, unabhängig von den Leistungen werden die Schüler über alle Mathematik-Kurse verteilt, sodass jeder Kurs letztendlich nur so viel so intensiv behandeln kann, wie das der Grundkurs bisher konnte, da sonst ein Großteil der Schüler nicht hinterherkommt, unabhängig davon, dass Mathematik als Kernkompetenzfach vier Stunden statt drei in der Woche unterrichtet wird.

Meiner Meinung nach ist die Bildung an einem anderen Ende zu verbessern: Schon vor der Grundschule müssen die Schüler das Lernen und das Nutzen der Intelligenz besser lernen. Oft heißt es, Kinder reicherer Eltern hätten statistisch gesehen bessere Chancen, auf das Gymnasium zu kommen. Kein Wunder, besser gebildete Eltern verdienen mehr und geben ihre Bildung an ihre Kinder weiter. Die Schulleistungen im Allgemeinen hängen meiner Ansicht nach zu einem sehr großen Teil von den Erfahrungen vor der Grundschule, ja sogar vor dem Kindergarten ab. In dem Alter, wo das noch positiv möglich ist, sollte versucht werden, eine gute Einheitsbildung zu erlangen, nicht erst, wenn die bis dahin fallen gelassenen Kinder sowieso keine großen Fortschritte mehr machen können. Nur auf diese Weise, mit einem Schulsystem wie dem bisherigen, das dem Schüler mehr Freiheit in der Ausgestaltung seiner Zeit lässt, kann eine möglichst große Bildung aller Schüler erreicht werden, ohne, dass Talente dabei untergehen.

Elternsprechtag

Posted on: February 25th, 2008

Schön, dass die Schule versucht, den Eltern ein möglichst schönes Bild von ihr zu vermitteln.

Schön, dass zum ersten Mal seit Bestehen des Neubaus die Klobrillen dort gereinigt wurden.

Schön, dass die ganze Schule blitzblank geputzt wird und man überall Blumen aufstellt.

Schön, dass jemand auf die Idee gekommen ist, eine Feder an die Türen zur Toilette zu bauen, damit diese nicht immer offen stehen bleiben.

Schön, was die Schule aus sich machen kann, wenn sie möchte.

Schade, dass nur einmal im Jahr Elternsprechtag ist.